Adventures of a foreigner in the south of Brazil.

Wednesday, August 29, 2007

Lieber Wolfgang

Ich darf Lieber Wolfgang zu Dir sagen, oder? Jetzt, wo Du mit uns allen ein bißchen intim wirst, mit dem Bundestrojaner, dürfen wir doch auch ein bißchen intim mit Dir werden. Wolfgang, ich find' das toll! Aus dem Rollstuhl immer noch so gut drauf! Das gereicht einem echten Mann zur Ehre. Und die Verfassung, jo mei, wer nimmt die noch so ganz ernst?

Aber mal ehrlich, Wolfgang, wie soll das gehen? Ich meine, Computer kann man heute schon ganz gut vor Trojanern schützen. Und Du willst die ja gezielt anbringen. Ich glaube, was Du brauchst, ist etwas Social Engineering. Ich hab' Da mal einen Brief für Dich entworfen, damit Du weißt, worauf es ankommt. Und der geht so:

Lieber X,

Du hast sicher noch nichts von mir gehört. Ich bin der Wolfgang aus dem Bundesinnenministerium und ich bin auf der Suche nach einem vertrauenswürdigen Geschäftspartner. Und dabei bin ich nach eingehender Recherche im Internet auf Dich gestoßen. Ich habe da nämlich ein Problem. Mein Parteifreund von damals, mit den schwarzen Kassen, Du erinnerst Dich vielleicht, der hat es geschafft, vorher noch 50 Millionen Euro abzuzweigen, die bisher niemand gefunden hat. Und ich bin jetzt auf seine Bücher gestoßen. Ich habe da so meine Quellen. Damit das niemand sonst findet, muß das jetzt raus aus Deutschland. Ich sitze aber im Rollstuhl und kann die ganzen Geldkoffer nicht selbst in die Schweiz tragen, höchstens einen oder zwei, und deshalb brauche ich Deine Hilfe. Wenn Du meine Koffer trägst, bekommst Du 50% von der Kohle. Ist das nicht ein tolles Angebot? Das sind 100 Millionen nur für Dich! Ich habe Dir ein kleines Programm mitgeschickt. Das mußt Du nur anklicken, und dann treten wir ganz diskret miteinander in Kontakt.
Aber psst! Das darf keiner wissen!

Vertrauensvoll,
Wolfgang


Ist das nicht toll, Wolfgang? Du bist doch hinter Kriminellen her! Wenn die da mal nicht drauf anspringen! Ich hab' da aber noch eine Schwäche gefunden, Wolfgang. Du hast uns versprochen, das Programm wird nur 10 mal im Jahr eingesetzt. Allerhöchstens. Ich meine, das ist toll! Dann fangen wir in einem Jahr die 10 allergefährlichsten Kriminellen in ganz Deutschland! Und in hundert Jahren tausend!

Aber Wolfgang, mal unter uns, nur Du und ich, ist das nicht etwas wenig? Nur tausend in hundert Jahren? Da gibt's doch bestimmt noch mehr, die man kriegen könnte. Aber schau, mein Brief, der da obendrüber, den ich für Dich geschrieben habe, der löst das Problem auch! Weil, den kannst Du einfach an alle schicken! Jawohl, an ganz Deutschland! Dann kriegst Du nämlich auch die, die das nur versuchen! Und die kommen dann alle in den Knast! Und die ganz fiesen Verbrecher, die mit den 20 E-Mail Konten, die das dann zwanzig mal abgraben wollen, ja, das mußt Du doch nur zählen, wie oft Dein Bundestrojaner bei denen installiert ist. Und dann wird das Strafmaß multipliziert!

Und das wird noch viel besser, weil die, die das nicht aufmachen, mal ehrlich, was ist mit denen? Wolfgang, die kriegen wir auch! Wer soviel Angst vor dem Bundesinnenministerium hat, daß er ein Programm, das von Dir kommt, nicht freiwillig installiert, der muß doch einfach was ausgefressen haben! Die kannst Du also auch alle einbuchten! Zumindest alle, die über 18 sind.

Ich weiß, so manche Sachen darf man heute nicht mehr so zum Gruß sagen, weil, das ist nicht korrekt, aber Wolfgang, alter Haudegen, Du machst das schon!

Und dann gehört Deutschland endlich wieder den Kindern.